
Mit 37 Stimmen dafür, 13 dagegen und keinen Enthaltungen hat die Ratsversammlung der Landeshauptstadt Hannover am 28. Mai 2026 den gemeinsamen Dringlichkeitsantrag von SPD, Bündnis 90/Die Grünen, Volt und Piratenpartei angenommen. Die Verwaltung wird beauftragt, ein Konzept für ein kostenloses Mittagessen zu erarbeiten, das „überwiegend aus regionaler Zubereitung“ stammen soll.
Das Angebot soll ab dem Schuljahr 2027/28 beginnen – zunächst für die erste Klasse – und bis 2030/31 schrittweise auf alle vier Grundschuljahrgänge ausgeweitet werden.
Der Ernährungsrat setzt sich seit seiner Entstehung dafür ein, dass alle Kinder an Schulen ein warmes, qualitative hochwertiges Mittagessen erhalten. Von unserer “Handreichung Schulverpflegung” in 2022 über zahlreichen Veranstaltungen zum Thema Mittagessen an Schulen bis zum heutigen Tag zieht “Schulverpflegung” sich durch unsere Arbeit wie ein roter Faden. Umso mehr freut es uns, dass der Stadtrat das kostenfreie Mittagessen nun beschlossen hat.
Regionale Produkte erreichen die Mensen bisher nur begrenzt
Großküchen benötigen verarbeitete und standardisierte Produkte. Genau diese Infrastruktur fehlt zwischen regionaler Landwirtschaft und Schulverpflegung.
Viele Verarbeitungsschritte finden derzeit außerhalb der Region statt. Schälbetriebe liegen zum Beispiel knapp 100 Kilometer entfernt.
Dadurch entstehen lange Lieferwege und eine geringe Einbindung regionaler Wertschöpfung. Gleichzeitig fehlt vielen landwirtschaftlichen und verarbeitenden Betrieben die Planungssicherheit, um in Verarbeitung, Lagerung oder Logistik zu investieren.
Warum die Organisation der Verpflegung entscheidend ist
Viele Schulen arbeiten derzeit mit externen Caterern.
Damit liegen wesentliche Teile der Schulverpflegung außerhalb der direkten kommunalen Steuerung.
Werden aber Leistungen an Unternehmen vergeben, die außerhalb der Region ansässig sind, fließen öffentliche Mittel aus der Stadtgesellschaft ab. Regionale Wertschöpfung entsteht dann nicht.
Gleichzeitig bleibt das Versprechen einer „überwiegend regionalen Zubereitung“ schwer einlösbar. Denn vergaberechtlich ist Regionalität kein durchsetzbares Kriterium in öffentlichen Ausschreibungen.
Regionale Schulverpflegung braucht regionale Strukturen
Es braucht eine Neuorganisation der Schulverpflegung.
Kern ist der Aufbau einer geschlossenen Wertschöpfungskette über vier Ebenen:
In kommunalen Küchen und angeschlossenen Einrichtungen können zudem sozialversicherungspflichtige Arbeitsplätze entstehen – auch für Menschen mit erschwertem Zugang zum Arbeitsmarkt.
Bestehende Strukturen nutzen
Das Modell kann auf bestehender Infrastruktur aufbauen: etwa auf den Kapazitäten des Klinikums, der IGS Linden oder der BBS 2. Keine neuen Strukturen von Grund auf, sondern kluge Nutzung dessen, was bereits vorhanden ist.
Andere Städte zeigen, dass es funktioniert
Rostock, Göttingen, Darmstadt, Wolfsburg und München machen seit Jahren vor, dass kommunale Schulverpflegung funktioniert – wirtschaftlich, qualitativ und sozial. Wer die Zubereitung in kommunale Hand gibt, gewinnt Steuerungsmöglichkeiten über Qualität, Lieferketten und Arbeitsbedingungen. Über Ausschreibungen allein ist das nicht erreichbar.
Was jetzt ansteht
Die Verwaltung hat den Auftrag, ein Konzept vorzulegen. Dieser Prozess ist eine Chance – für Bildungsgerechtigkeit, für regionale Wirtschaftskreisläufe und für eine Schulverpflegung, die ihren Namen verdient.
Der Ernährungsrat Hannover und Region e.V. begleitet diesen Prozess gern als fachlicher Gesprächspartner und freut sich auf den Dialog mit Verwaltung, Politik und Zivilgesellschaft.
Der Beschluss ist ein Meilenstein. Die eigentliche Arbeit beginnt jetzt.
Weitere Informationen: www.ernaehrungsrat-hannover.de