
Schulessen neu denken – unsere Handreichung zur kommunalen Schulverpflegung
Wer entscheidet, was Kinder in der Schulkantine essen? In der Region Hannover verteilt sich diese Verantwortung heute auf insgesamt 21 Kommunen und verschiedene Schulträgerschaften – mit getrennten Ausschreibungen, unterschiedlichen Standards und begrenzter Steuerungsfähigkeit. Qualität, Herkunft und Preisgestaltung bleiben so nur schwer beeinflussbar.
Das muss nicht so bleiben- Schulessen ist gestaltbar.
Mit dem Ganztagsausbau ab 2026/27 steigt der Bedarf an verlässlicher Verpflegungsinfrastruktur. Gleichzeitig muss die Region ihre Klimaziele bis 2035 erreichen.
Nicht-energetische Emissionen aus dem Ernährungssektor könnten im Klimaplan-Szenario auf bis zu 27 Prozent der verbleibenden Gesamtemissionen anwachsen (Hamburg Institut 2024).
Ohne Veränderungen im Ernährungssystem sind die Klimaziele kaum erreichbar. Eine koordinierte öffentliche Nachfrage könnte hier als struktureller Hebel wirken.
Die Handreichung richtet sich an die Regionsversammlung, die Dezernate sowie die 21 kommunalen Schulträger. Sie ist kein fertiger Plan, sondern ein strukturierter Ausgangspunkt für die notwendigen Klärungsprozesse.
Regionaler Verpflegungsverbund: Regionale Landwirtschaft, Lebensmittelzentren zur Bündelung und Logistik sowie kommunale Küchen und Ausgabestellen bilden eine durchgängige Versorgungskette – als kooperatives Netzwerk statt als einzelner Großbetrieb.
Mehrfachnutzen: Wirtschaftlich durch regionale Wertschöpfung, klimabezogen durch steuerbare Beschaffung und sozial durch Bildungsgerechtigkeit und inklusive Arbeitsplätze. Eine schwedische Langzeitstudie belegt zudem, dass Kinder mit durchgängig kostenlosem Schulessen langfristig ein um durchschnittlich 3 Prozent höheres Lebenseinkommen erzielen (Lundborg, Rooth & Alex-Petersen 2022).
Praxismodelle: Rostock, Göttingen, Darmstadt und Wolfsburg zeigen, dass kommunal gesteuerte Schulverpflegung funktioniert .
Schrittweise Umsetzung: Von der Bestandsaufnahme kommunaler Großküchen über gemeinsame Qualitätsstandards bis zu einem hybriden Stufenmodell, das kommunale Küchen und bewährte Cateringpartnerschaften sinnvoll verbindet.
Die Handreichung steht als fachlicher Beitrag bereit. Wir laden Verwaltung, Politik und weitere zivilgesellschaftliche Akteur*innen ein, die nächsten Schritte gemeinsam zu gehen – rechtliche und wirtschaftliche Machbarkeit zu prüfen und Schulverpflegung als gemeinsame öffentliche Gestaltungsaufgabe zu verankern.
Handreichung zur kommunal organisierten Schulverpflegung (PDF).