Inspiration aus Hessen

Schulessen neu denken: Darmstadt als Impuls für die Region Hannover

Seit August 2026 gilt der Rechtsanspruch auf Ganztagsbetreuung für Grundschulkinder. Mit dem schrittweisen Ausbau wächst auch der Bedarf an Schulverpflegung.

Perspektivisch werden in der Region Hannover rund 5 Millionen Schulessen pro Jahr benötigt.

Damit stellt sich eine zentrale Frage: Wie soll organisiert werden, dass Kinder in der Region Hannover regional, saisonal und verlässlich mit Essen versorgt werden?

Inspiration kommt aus Hessen.

Darmstadt: Wenn die Kommune selbst für das Schulessen sorgt

Darmstadt organisiert seine Schulverpflegung selbst – als Teil des Eigenbetriebs für kommunale Aufgaben und Dienstleistungen (EAD). Rund 3.000 Mahlzeiten werden dort täglich in acht Produktionsküchen zubereitet.

Der kommunale Mehrspartenbetrieb ermöglicht es, Personal flexibel einzusetzen. Fällt etwa in einer Mensa kurzfristig eine Ausgabekraft aus, können Mitarbeitende aus anderen Bereichen einspringen – beispielsweise aus der Reinigung.

Auch bei der Effizienz nutzt der EAD eigene Daten. Durch Messungen und Anpassungen konnte der Lebensmittelabfall um 15 Prozent reduziert werden.

Kommunale Steuerung kann funktionieren

Kommunale Steuerung schafft Handlungsspielräume. Die Stadt kann Qualität, Abläufe und Organisation der Verpflegung selbst gestalten und muss sie nicht vollständig an externe Dienstleister abgeben.

Der EAD versteht Schulverpflegung als Teil kommunaler Daseinsvorsorge. Er arbeitet ohne Gewinnerzielungsabsicht und kann seine Strukturen selbst weiterentwickeln.

Auch bei der Vergabe bietet die Konstruktion Vorteile: Als kommunaler Eigenbetrieb kann die Stadt die Schulverpflegung unter bestimmten rechtlichen Voraussetzungen im eigenen Verbund organisieren, statt Leistungen jedes Mal extern auszuschreiben.

Was Hannover von Darmstadt lernen – und weiterdenken kann

Darmstadt zeigt, dass kommunale Steuerung funktionieren kann. Für die Region Hannover lässt sich das Modell aber nicht einfach übertragen. Hier geht es nicht um eine einzelne Kommune, sondern um einen Verbund von Kommunen – mit  perspektivisch sehr viel höheren Essenszahlen pro Jahr.

Und auch Darmstadt steht vor Herausforderungen. Wie auch in unserer Region ist die Wertschöpfungskette nicht lückenlos. Zwischen landwirtschaftlicher Erzeugung und der kommunalen Nachfrage fehlt es an Verarbeitung, Lagerung und Logistik.

Das hat eine konkrete Folge: regionale Lebensmittel kommen nicht auf die Teller in den Schulen.

Der Vorschlag des Ernährungsrats

Der Ernährungsrat Hannover und Region schlägt deshalb vor, einen regionalen Verpflegungsverbund aufzubauen. Kommunen der Region bündeln dabei ihre Nachfrage und steuern die Schulverpflegung gemeinsam.

Dafür braucht es eine regionale Infrastruktur: Lebensmittelzentren für Lagerung, Verarbeitung und Logistik. Eine digitale Dateninfrastruktur, um Mengen, Herkunft und Lieferwege transparent zu machen.

So entsteht eine Verbindung zwischen dem regionalen Angebot und dem, was die Schulen täglich brauchen.

5 Millionen Tellergerichte pro Jahr als regionaler Hebel

Die rund 5 Millionen Schulessen pro Jahr sind dabei nicht nur eine große Versorgungsaufgabe. Sie schaffen auch einen verlässlichen Nachfragemarkt, der Landwirt*innen Planungssicherheit gibt und den Aufbau regionaler Strukturen für Verarbeitung und Logistik wirtschaftlich unterstützen kann.

Darmstadt als Inspiration, nicht als Blaupause

Darmstadt liefert keinen fertigen Bauplan für die Region Hannover. Aber das Beispiel zeigt: Kommunale Steuerung kann funktionieren und neue Handlungsspielräume eröffnen.

Die Region Hannover könnte daraus etwas Eigenes entwickeln – und dabei vor allem die fehlende Mitte mitdenken.

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