
Ob Erbseneintopf, Bohnensalat oder Linsen-Bolognese: Hülsenfrüchte gehören auf den Speiseplan – sagt die Wissenschaft. Sie sind zugleich ein Hebel für ein klimagesundes Ernährungssystem: auf dem Acker als natürlicher Dünger, auf dem Teller als klimafreundlichere Proteinquelle. In der Gemeinschaftsverpflegung sind sie aktuell noch die Ausnahme. Mit dem neuen Förderprojekt HÜLSA will der Ernährungsrat Hannover und Region das ändern.
Viel Potenzial, zu wenig auf dem Teller
Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) empfiehlt seit 2024 mindestens 125 Gramm Hülsenfrüchte pro Woche – erstmals als eigene Lebensmittelgruppe. Auch für die Kita- und Schulverpflegung gilt: mindestens eine Portion Hülsenfrüchte pro Woche. Gleichzeitig bauen ökologisch wirtschaftende Betriebe Leguminosen wie Ackerbohnen oder Körnererbsen ohnehin an. Die EU-Öko-Verordnung schreibt sie als Hauptfrucht in der Fruchtfolge vor, weil sie auf natürlichem Weg Stickstoff im Boden binden. Empfehlung, Erzeugung und Klimaschutz passen also eigentlich zusammen.
Die Lücke zwischen Acker und Kantine
Trotz dieser günstigen Ausgangslage gelingt die Integration von Hülsenfrüchten in die Außer-Haus-Verpflegung (AHV) bislang kaum. Einer der Gründe liegt in einer strukturellen Angebotslücke: Verarbeitete Hülsenfruchtprodukte aus regionaler Erzeugung, die den Anforderungen von Großküchen an Verarbeitungsgrad, Portionierbarkeit, Gebindegröße und Haltbarkeit entsprechen, sind auf dem deutschen AHV-Markt noch zu wenig vertreten. Die Folge: Ein Großteil der niedersächsischen Körnerleguminosen landet als Futtermittel in der Tierhaltung, weil belastbare Absatzkanäle in die Humanernährung fehlen. Das Potenzial bleibt so weitgehend ungenutzt, für die Landwirtschaft ebenso wie für Kantinen, die pflanzenbetonter kochen wollen.
HÜLSA: Vom Bedarf zum Rezept
Genau hier setzt HÜLSA an – ausgeschrieben: „Bio-regionale Hülsenfrüchte für die Außer-Haus-Verpflegung". Der Ernährungsrat hat das Projekt im Rahmen der Richtlinie Ökolandbau des Landes Niedersachsen beantragt und die Förderzusage jetzt erhalten. Ab September 2026 bringen wir, unserem Netzwerkgedanken entsprechend, Erzeuger*innen, Verarbeitung, Handel und Einrichtungen der AHV an einen Tisch. Der Ansatz ist konsequent nachfrageorientiert: Erst wird geklärt, was Großküchen tatsächlich brauchen – dann werden passende Produkte und Rezepte entwickelt. Am Ende sollen praxiserprobte, großküchentaugliche Rezepte für Hülsenfrucht-Produkte inklusive Verpackungsart stehen, dazu passende Gerichte für den Speiseplan der Caterer. Genauso wichtig: Das Projekt soll eine Grundlage für eine langfristig tragfähige, regionale Wertschöpfungskette legen – über die Projektlaufzeit hinaus.
Ein Baustein für ein klimagesundes Ernährungssystem
HÜLSA ist für uns der nächste logische Schritt auf dem Weg zu einem klimagesunden Ernährungssystem in der Region Hannover – und verbindet zwei Klimahebel, die bislang getrennt liefen. Auf dem Acker bietet der Leguminosenanbau den Landwirt*innen Möglichkeiten für zusätzliche Fruchtfolgen. Auch ersetzen Hülsenfrüchte teilweise den fossil hergestellten Mineraldünger durch biologische Stickstofffixierung. Auf den Teller bringen Erbsen, Bohnen & Co gesundheitsfördernde Nährstoffe und pflanzliche Proteine mit einem geringeren Klima-Fußabdruck. Dazu kommen kürzere Lieferwege durch regionale Erzeugung und weniger Verpackungsabfall durch großküchengerechte Gebindegrößen. Gleich mehrere Effekte auf einmal – wenn es gelingt, die strukturelle Lücke zwischen Acker und Kantine zu schließen. Anspruchsvoll, aber genau dafür ist unser Netzwerk da.
Wir bedanken uns beim Land Niedersachsen für die Förderzusage und freuen uns auf den Produktentwicklungsprozess!
Fragen zu dem Projekt “HÜLSA” beantwortet Nele Wagenfeld:
nw@ern-ha.de